Benutzerspezifische Werkzeuge

Sie sind hier:Startseite / Soziales / Familie / Familienfreundliche Gemeinde / Aktuell / Alles eine Frage der Organisation?

Alles eine Frage der Organisation?

Drei RankweilerInnen im extRankweil-Gespräch über ihre Erfahrungen zwischen Babybrei und Business.

Wenn Sonja (Angestellte, 50 Prozent) ihre Töchter Livia (6) und Florina (3) beim Zwergahüsle und beim Kindergarten Markt abgibt, ist sie mit dem Kopf bereits bei ihrer Arbeitsstelle in Liechtenstein. Dort arbeitet sie seit vielen Jahren in der Logistik von Hilti. Sie und ihr Mann (100 Prozent, Angestellter) haben sich schon vor der Familiengründung Gedanken gemacht, wie der Alltag am besten funktionieren kann. „Derzeit läuft das so sehr gut für uns”, sagt sie. In Stein gemeißelt sei diese Arbeitsaufteilung allerdings nicht: „Wir können uns gut vorstellen, dass ich eines Tages weiter aufstocke und mein Mann reduziert. Da sind wir beide ganz offen.” Es gab bei ihr auch mal die Überlegung, die Töchter in den Betriebskindergarten zu geben. Doch das scheiterte an einem ganz einfachen Grund: „Sie hätten dort wohl rasch Englisch und Chinesisch gelernt, aber sie würden keine dauerhaften Freundschaften schließen. Es ist schön zu sehen, wie sie mit den anderen Kindern aus der Nachbarschaft
aufwachsen.”

Ein ähnliches Modell leben Stefan (Tochter Nura, 3 Jahre) und Birgit (David, 3 Jahre): Auch sie arbeiten Teilzeit und nehmen mehrere Tage pro Woche die Kinderbetreuung in Rankweil in Anspruch.
Stefan (70 Prozent, Angestellter) teilt sich die Kinderbetreuung mit seiner Frau (35 Prozent, Angestellte). „Wir hatten immer schon die Vorstellung, dass wir uns die Kinderbetreuung 50/50 aufteilen. Und obwohl wir dieses Modell auch umgesetzt haben, sind wir inzwischen wohl klassischer unterwegs als geplant”, berichtet Stefan schmunzelnd. Er hat damals ein halbes Jahr Karenz genommen und möchte diese Zeit
nicht missen: „Das war sehr wichtig, um mit meiner Tochter eine enge Beziehung aufzubauen.”
Sein Arbeitgeber war mit der Karenz sofort einverstanden. „Ein Glücksfall”, sagt er.

Auch Birgit (60 Prozent, Angestellte) berichtet von einem verständnisvollen Arbeitgeber: „Mein Chef
war froh, dass ich nicht die volle Karenz in Anspruch genommen habe – so konnte ich beruflich am Ball
bleiben”, erzählt sie. Natürlich sei es immer wieder eine Herausforderung, wenn unvorhersehbare Ereignisse auftreten. Doch um Notfälle abzufedern hat Birgit eine gute Freundin, welche kurzfristig
einspringen kann. „David ist in der Kinderbetreuung seit er 18 Monate alt ist. Es hat ihm keineswegs
geschadet – inzwischen mag er mittags nicht mal mehr mit nach Hause gehen. Im Großen und Ganzen
würde ich alles wieder genauso entscheiden.”

Alle drei sind mit der Kinderbetreuung in Rankweil grundsätzlich zufrieden. „Wäre es noch etwas flexibler gestaltet und wären die Tarife noch genauer nach Alter berechnet, wäre es nahezu perfekt”, sagt Sonja. „Es ist toll, dass es eine solche Breite an Betreuungsmöglichkeiten gibt. Das ist viel wert und
keineswegs selbstverständlich”, lobt sie. Stefan ergänzt: „Die Betreuung ist super, aber was
mir fehlt, sind Plätze für Kinder im öffentlichen Raum. Spielen ohne Aufsicht, Kinder einfach mal nur raus zu schicken, ist heute fast unvorstellbar – das Vertrauen der Eltern in ihre Kinder ist deutlich gesunken. 
Es wird Zeit für mehr Lockerheit und gemeinsame Verantwortung.”

Arbeit und Pension
Alle am Gespräch Beteiligten teilen sich zwar die laufenden Kosten auf, doch die langfristigen Auswirkungen von Berufspausen und Teilzeitarbeit sind kaum ein Thema. „Die entstehenden Pensionslücken sollten mehr in der Öffentlichkeit diskutiert werden. 

Da sehe ich auch die Eltern untereinander in der Verpflichtung”, meint Birgit. Und Sonja ergänzt: „Als Arbeitnehmerin in Liechtenstein bekomme ich jährlich einen Auszug mit dem aktuellen Stand meiner Pension vom Arbeitgeber. Ich bin also gut informiert und sorge auch privat vor. Aber was sollen Eltern machen, wenn die Kinderbetreuung nur bis Mittag geht? Gerade in ländlicheren Gegenden ist das nach wie vor eine Herausforderung. Ich bin überzeugt davon, dass Ganztagsbetreuung in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird, um Eltern mehr Raum für die berufliche Planung zu verschaffen.”
Für Stefan wäre auch ein automatisches Pensionssplitting denkbar. „Man sollte das – so wie in einigen skandinavischen Ländern – als Standard nehmen. Wer das traditionelle Modell möchte, sollte dieses
beantragen müssen.”

Qualität vor Quantität
So groß die Herausforderungen auch sind, alle drei wirken recht zufrieden mit ihrem Familienalltag: „Natürlich muss man Abstriche machen und aufhören, die perfekte Mutter zu sein. Man muss Arbeit und Familie gut trennen, denn aus meiner Sicht ist Qualität wertvoller als Quantität”, erklärt Sonja. „Ich bin nicht der Meinung, dass Kinder am besten ausschließlich bei der Mutter aufgehoben sind. Als unsere Große ins Zwergahüsle kam, ist sie richtig aufgeblüht. Sie hat so viel von den anderen Kindern gelernt – insbesondere da sie damals noch Einzelkind war. Wir fühlen uns sehr wohl mit dieser Betreuungslösung.” „Das kann ich nur unterstreichen“, ergänzt Birgit. „David hat das Krabbeln und Laufen von einem Kind aus der Betreuung gelernt. Ich merke, dass ihm die Kontakte zu Gleichaltrigen sehr gut tun. Was will man mehr?” 

Facts zur Kinderbetreuung in Rankweil:

  • 71 Kinder in fünf Kleinkindbetreuungseinrichtungen
  • 284 Kinder in sechs öffentlichen Kindergärten
  • 79 Kinder in drei privaten Einrichtungen

    Kinder in Betreuung

  • 100 Prozent der Vier- bis Fünfjährigen
  • 85 Prozent der Dreijährigen
  • 35 Prozent der ein-bis Zweijährigen (mind. 1x pro Woche)