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"Das warme Herz Afrikas" zu Gast in Rankweil

Malawi, ein Binnenstaat in Südostafrika, nimmt heuer erstmals an der Weltgymnaestrada teil: 13 Schülerinnen der Nkhamenya Girls Secondary School werden von drei Lehrpersonen nach Rankweil begleitet, wo sie in in der HLW untergebracht sind. Und genau an dieser Schule entstand auch die Idee, das Land, das als "warmes Herz Afrikas" bezeichnet wird, bei der Teilnahme an der Weltgymnaestrada zu unterstützen.

Begonnen hat alles mit dem Geografieunterricht von Markus Fröhlich an der HLW in Rankweil. Der Koordinator der Stiftung "Bruder und Schwester in Not" der Diözese Feldkirch engagiert sich bereits seit vielen Jahren für die Menschen in Malawi und bringt seine Erfahrungen aus dem Entwicklungsland auch gerne in den Unterricht ein. Das war der Anstoß für Katrin Romer, Vanessa Dörn und Tabatha Oggertschnig, ein ganz besonderes Thema für ihre vorwissenschaftliche Arbeit zu wählen: Unter dem Titel "Gymnaestrada – eine andere Art der Globalisierung" stellten die Mädchen ein beachtenswertes Sozialprojekt auf die Beine.

Malawi-Reise mit 8.413 Euro im Gepäck
"Unsere Diplomarbeit vereint die Themen Geografie, Sport und Globalisierung. Die Verbindung zur Gymnaestrada lag auf der Hand: einerseits weil ich und Vanessa schon bei dem Turnsportfestival dabei waren, andererseits weil die Gymnaestrada für eine gute Art der Globalisierung steht, bei der der kulturelle Austausch und die Gleichheit aller Beteiligten im Mittelpunkt steht", erklärt Tabatha.

Mit Feuereifer machten sich die Schülerinnen ans Werk und sammelten bei einem Stundenlauf 8.413,60 Euro. Mit diesem Geld machten sie sich im vergangenen Jahr – begleitet von Gymnaestrada-Geschäftsführer Erwin Reis und ihrem Lehrer Markus Fröhlich – auf die Reise zur Girls Secondary School in Nkhamenya (Bezirk Kasungu/ Central-Region), für die sich "Bruder und Schwester in Not" seit vielen Jahren einsetzt. Das Internat genießt einen guten Ruf und ermöglicht den Absolventinnen sogar einen Zugang zur Universität. Die Vorarlbergerinnen wurden dort herzlich empfangen – die Freude über den Scheck war groß. Unter anderem wurden mit dem Geld Kostüme für die Gymnaestrada finanziert, berichten die HLW-Absolventinnen.

Erste Reise für Malawierinnen
Katrin, Tabatha und Vanessa feilten mit den Gymnaestrada-Teilnehmerinnen der Nkhamenya Girls Secondary School an deren Auftritt und studierten mit ihnen einen Flashmob ein. "Es war eine einmalige Erfahrung. Die Mädchen waren sehr offen und motiviert. Trotz der großen Armut in ihrem Land sind sie sehr starke Persönlichkeiten mit großem Lebensmut", schildern die jungen Frauen ihre Erfahrungen. Aufgefallen ist ihnen auch die große Gläubigkeit der Malawierinnen – "bei jeder Autofahrt wird gebetet".

Während es für die afrikanischen Schülerinnen tabu sei, einen Freund zu haben, zeige man sich in punkto Medien aufgeschlossen und nutze beispielsweise außerhalb der Schule WhatsApp. Auch das Englisch der Malawierinnen sei sehr gut – aus dem Land gekommen seien die Mädchen allerdings noch nie. “Die Reise nach Vorarlberg wird ein großes Erlebnis für sie sein, das wird sie umhauen”, so die Tabatha, Katrin und Vanessa.

Große Herzlichkeit trotz großer Armut
Lehrer Markus Fröhlich ist stolz über die beachtliche Leistung seiner Schülerinnen. Er hat Malawi schon vor vielen Jahren zu schätzen und lieben gelernt. Vor 17 Jahren war er das erste Mal dort und hat seitdem mit “Bruder und Schwester in Not” vieles bewegen können. Eine Krankenstation wurde aufgebaut und Schulen unterstützt. „Malawi ist ein Entwicklungsland. Exportartikel sind Tabak, Zucker und Tee. Immer wieder gibt es Ernteausfälle, die zu Hungerkrisen führen. Vor kurzem wurde das Land außerdem vom Tropensturm Idai getroffen", führt Fröhlich die angespannte Lage in Malawi vor Augen. “Die Menschen dort leben von der Hand in den Mund. Der Tourismus geht gegen Null. Das Agrarland verfügt über keine Rohstoffe und Industrie, in den ärmsten Regionen leben die Menschen von 20 Euro im Monat”, führt Fröhlich weiter aus. Durchschnittlich gebäre eine Frau sieben Kinder, das erste mit 14 Jahren. Die Aids-Rate sei hoch, gerade junge Menschen seien betroffen.

Ideologischer Hintegrund für Gymnaestrada-Teilnahme
Trotz all dieser gravierenden Probleme seien die Menschen in Malawi sehr herzlich, interessiert, dankbar und aufgeschlossen – nicht umsonst werde das Land wegen der großen Gastfreundschaft “the warm heart of Afrika” genannt. Auch in die Landschaft hat sich Fröhlich verliebt. Dass Malawi heuer erstmals Teilnehmer der Gymnaestrada ist, hat für ihn einen besonderen ideologischen Hintergrund: „Bei dem Festival geht es nicht um Wettbewerbe, im Mittelpunkt steht das Zusammenkommen und das gegenseitige Verständnis“, erklärt Fröhlich. Die Gymnaestrada ist in diesem Hinblick also weit mehr als ein Turnsportfest, sondern vielmehr ein Symbol für Weltfrieden und Völkerverständigung.

Facts:
Malawi ist ein Binnenstaat in Südostafrika, der 1964 seine Unabhängigkeit erlangte. Etwa 19 Millionen Einwohner leben in Malawi. Die Hauptstadt ist Lilongwe. Landschaftlich wird das Land von Hochflächen, die von einzelnen Inselbergen überragt werden, weiten Ebenen und dem Malawisee bestimmt. In Malawi herrscht subtropisches Klima mit vier Jahreszeiten. (Quelle: Wikipedia)