Benutzerspezifische Werkzeuge

Sie sind hier:Startseite / Aktuell / Dr. Siegfried Hartmann zur aktuellen Coronasituation

Dr. Siegfried Hartmann zur aktuellen Coronasituation

Gemeindearzt Dr. Siegfried Hartmann schreibt ein Statement an die Bevölkerung im Vorderland.

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,

die letzten Wochen waren für uns alle ein noch nie erlebter Ausnahmezustand.

Die eindringlichen Appelle der Politik, die verstörenden Bilder von Massengräbern in den Medien haben Wirkung gezeigt. Wir alle sind verunsichert, viele haben mehr oder weniger Angst, besonders wenn sie im Beruf direkt mit Menschen im Kontakt sein müssen.

Es gibt aber auch positive Nachrichten: Die Situation in Vorarlberg und besonders in Rankweil und dem Vorderland hat sich bezüglich Covid-19 Infektionen außerordentlich günstig entwickelt. In ganz Vorarlberg sind nur noch rund 40 Menschen (Stand 4. Mai) erkrankt. Das Risiko einer Ansteckung ist inzwischen gering.

Nach dem Shutdown über Wochen stehen wir jetzt vor der Herausforderung der zweiten Phase. Diese wird – optimistisch gesehen – bis Ende dieses Jahres dauern. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass die Bewältigung dieses Ausnahmezustandes sogar bis Ende des nächsten Jahres dauern wird.

Ich glaube, wir müssen lernen, zwischen dem aktuell sehr geringen individuellen Risiko und dem gesellschaftlichen Risiko einer zweiten Erkrankungswelle zu trennen.  Hier möchte ich besonders die Sorgen, die in den Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen entstanden sind, mit folgenden Zahlen auf ein realistisches Maß zurechtrücken: Im bisherigen Verlauf der Epidemie waren nur 1,7 Prozent der positiv Getesteten unter 10 Jahre alt und 4,2 Prozent im Alter von 10 bis 20 Jahren. Selbst wenn eine erhebliche Dunkelziffer berücksichtig wird, so ist derzeit die Wahrscheinlichkeit von Covid-19 infizierten Kindern ohne Symptome sehr, sehr gering.

Vor diesem Hintergrund müssen die sehr restriktiven und kaum durchführbaren Maßnahmen besonders im Kindergarten- und Volkschulalter kritisch hinterfragt werden und die Folgen von unangemessenen, restriktiven Maßnahmen bedacht werden. Durch intensives Testen und Monitoring der Infektionsfälle – welche täglich auf der Homepage des Landes unter vorarlberg.at/coronadashboard abrufbar sind – kann rasch lokal und regional auf die Krankheitshäufigkeit reagiert werden.  

Die inzwischen vorhandene Schutzausrüstung und die bestehende Kapazität an Spitals- und Intensivbetten bieten uns einen wesentlich besseren Schutz als noch im März. In Vorarlberg könnten – zumindest meiner Meinung nach – der Spielraum zu einer möglichst liberalen Handhabung der Covid-19 Maßnahmen ausgereizt werden.

Wir alle werden lernen müssen, mit einem gewissen Restrisiko umzugehen. Der Wunsch nach absoluter Sicherheit verunmöglicht zusehends das normale Miteinander.  Wir werden das nicht ohne negative Folgen für viele Monate durchhalten können.

Zu Beginn der Pandemie, in einer Situation völliger Ungewissheit, waren die maximalen Sicherheitsmaßnahmen sicher richtig.  Doch die folgende Phase müssen wir vor allem mit Hausverstand, Mut und Zuversicht meistern.  Sicher nicht fahrlässig, aber wie der Volksmund sagt: „Zu Tod gefürchtet ist auch gestorben!“ Jetzt ist es wichtig Kollateralschäden zu vermeiden.  Packen wir gemeinsam unsere Aufgaben in der Gemeinde, in den Schulen und Betreuungseinrichtungen sowie in der Wirtschaft offensiv an. Bewältigen wir den sicher entstandenen Rückstau und die durch die Krise neu aufgetretenen Herausforderungen. Ich wünsche Ihnen allen viel Kraft, neue Ideen und kreative Lösungen.

Ihr Gemeindearzt

Dr. Siegfried Hartmann