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Nach über einem Jahrzehnt der multiprofessionellen Planung und sorgfältigen Umsetzung ist am 20. November der Neubau für die Erwachsenenpsychiatrie des Landeskrankenhauses Rankweil offiziell eröffnet worden. Sowohl die anwesenden Mitarbeiter:innen als auch die Vertreter:innen von Politik und Kirche sowie des Bau- und Spitalsmanagements waren sich einig: Mit dem achtgeschossigen Bauwerk ist ein zeitgemäßes psychiatrisches Zentrum für Vorarlberg geschaffen worden, das aufgrund seiner wohl durchdachten Architektur fortschrittliche Behandlungskonzepte möglich macht: „Wir sehen die Psychiatrie längst als modernes Fach mit effektiven Therapiemethoden“, macht Prim. Dr. Jan Di Pauli, Chefarzt und Primar der Erwachsenenpsychiatrie, deutlich. „Und diese Modernität spiegelt sich nun auch in der Architektur unseres Hauses wider. Darüber sind wir sehr froh und auch recht stolz darauf.“
Der Neubau schmiegt sich architektonisch in den südöstlichen Hangbereich der bestehenden Gartenanlage des LKH Rankweil. Über 40.000 m³ an Gestein und Geröll sind ausgehoben worden, um Platz für diesen Teil des Gebäudekomplexes auf dem Areal oberhalb von Rankweil zu schaffen: „Das allein bedeutete organisatorische, logistische, akustische, bau- und tragwerkstechnische Herausforderungen – vor allem bei laufendem Betrieb“, merkt Verwaltungsdirektor Mag. Michael Saxenhammer, MBA an. „Aber wenn man heute das Ergebnis sieht, war es jede einzelne Hürde wert.“
Die neue Erwachsenenpsychiatrie erstreckt sich über acht Geschosse. Die Räumlichkeiten sind interdisziplinär gut aufeinander abgestimmt: Moderne pflegerische, therapeutische und medizinische Ansprüche wurden im Planungsprozess bewusst mitberücksichtigt – fachliche Beratung kam direkt von den jeweiligen Expert:innen und Verantwortlichen des LKH Rankweil. Ziel war von Beginn an, die bewährte berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit im Sinne der Patient:innen zu erleichtern: „Uns war beispielsweise wichtig, dass der Pflegestützpunkt der jeweiligen Stationen zentral in der Mitte und offen angelegt ist“, erklärt Pflegedirektorin Elke Kovatsch, MSc MBA. „Er soll eine Art Rezeptionscharakter ausstrahlen, der die Willkommenskultur fördert. Die Mitarbeiter:innen der Pflege sind dadurch jederzeit für ihre Patient:innen erreichbar. Und wir von der Pflege haben gleichzeitig einen Überblick über das Geschehen rundherum. Zudem hat uns die Erfahrung gelehrt, dass Zimmer mit maximaler Zweierbelegung optimal sind, weil damit eine gewisse Reizabschirmung gewahrt bleiben kann – auch dieser Aspekt ist berücksichtigt und umgesetzt worden, was uns besonders freut.“
In den obersten drei Stockwerken des neuen Gebäudes sind die Normalpflegestationen untergebracht, die über jeweils 16 Betten (Ein- und Zweibettzimmer mit Nasszellen) sowie je ein Akutzimmer verfügen. Zusätzlich sind Räumlichkeiten entstanden, die von den Stationen gemeinsam genutzt werden: dazu zählen Einzel- und Gruppentherapieräume sowie Fitness- und Unterhaltungsräume.
Im Stockwerk darunter sind – ebenerdig zugänglich – eine Notfallstation angesiedelt sowie die Forensik für Menschen, die aufgrund ihrer Sucht- bzw. psychiatrischen Erkrankung eine Straftat begangen haben. Diese Ebene verfügt über einen ansprechenden Außenbereich.Ein weiteres Stockwerk beheimatet die psychiatrische Tagesklinik samt Therapiebereich. Dieser spielt im Gesamtkonzept eine wichtige Rolle, da eine funktionierende ambulante Behandlung nicht nur den Genesungsprozess der Patient:innen positiv beeinflusst, sondern auch den stationären Bereich entlastet. „Durch diese Räumlichkeiten können wir ambulante Therapien und tagesklinische Leistungen anbieten, die wir vorher in dieser Form nicht so gut bereitstellen konnten“, freuen sich Prim. Dr. Jan Di Pauli und sein Team. In den untersten Trakten des Neubaus sind ein Eingangsbereich, diverse Dienstzimmer sowie die Technikräume untergebracht.
Die Innenarchitektur orientiert sich an den unmittelbaren und aktuellen medizinischen, therapeutischen sowie pflegerischen Ansprüchen des Faches Psychiatrie. Nachdem die durchschnittliche stationäre Behandlungsdauer bei psychischen Erkrankungen zumeist deutlich höher ist als bei anderen Krankheitsformen, spielt die Qualität der Unterbringung eine besondere Rolle: Sie kann deeskalierend auf den Krankheitsverlauf wirken und ist ein wichtiger Faktor für den Behandlungserfolg. „Wir haben nun Platz für Therapien direkt auf der Station. Das kommt vor allem schwerer erkrankten Menschen zugute, weil die Wege kurz, gut organisiert und dadurch auch viel einfacher für unserer Patient:innen sind. Allgemein steigern die neuen Räumlichkeiten und die Lichtführung des Hauses das Wohlbefinden. Die Innenarchitektur strahlt eine gewisse Ruhe aus“, erklärt Primar Dr. Di Pauli. „All das trägt dazu bei, dass der Heilungsprozess gefördert wird. Man hat nicht ohne Grund den Begriff der Heilenden Architektur geprägt. Sie kann nachweislich die Aufenthaltsdauer der Patient:innen reduzieren, weil diese schneller gesund werden.“
Dass nicht nur Architektur heilend wirken, sondern auch Kunst im Allgemeinen der Seele guttun kann, ist unbestritten. Daher sind auch für die Kunst-und-Bau-Projekte, die speziell für die Erwachsenenpsychiatrie entwickelt wurden, die Künstler:innen schon früh einbezogen worden. Drei Kunstwerke konnten im Einklang mit der Architektur entwickelt werden: Aus dem offenen Wettbewerb sind die Einreichungen der Vorarlberger Kunstschaffenden Stefan Amann, Gabriele Fulterer & Christine Scherrer sowie Christian Helbock als Siegerprojekte hervorgegangen: „Chunks“ nutzt das haptische Potential der Türknäufe. Leicht verformt und bearbeitet zeigen sie auf, dass auch das weniger Perfekte ein funktionierendes Gegenüber sein kann. Ein weiteres Kunstwerk entsteht durch aneinandergereihte Fragmente aus Briefwechseln, die vom Leben innerhalb und außerhalb der Klinik erzählen. Diese Textpassagen erscheinen auf Oberflächen wie Glas und Beton. Außerdem bespielt die großflächige Intervention „Raumcollagen“ unter anderem eine Wand im Erdgeschoss und damit eine stark frequentierte Zone der Begegnung.Die Erwachsenenpsychiatrie ist nicht der einzige Bereich auf dem Areal, der neu gebaut wird: In der nun folgenden Bauetappe entsteht das zentrale Eingangsgebäude für das Landeskrankenhaus Rankweil sowie der Neubau für die Kinder- und Jugendpsychiatrie.Tag der offenen Tür am LKH Rankweil: 21. November 2025 von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr. Mehr dazu.