Essen auf Rädern - mehr als eine warme Mahlzeit

Veröffentlichungsdatum02.05.2026Lesedauer3 MinutenKategorienMarktgemeinde - Hero
Essen auf Rädern

Was macht ein ehemaliger Telekom‑Projektleiter im Ruhestand? Er steigt jeden Tag auf sein Fahrrad, fährt bei Wind und Wetter von Nofels nach Rankweil und bringt den Menschen dort ein warmes Mittagessen – und noch viel mehr.

Kurz vor halb zehn Uhr vormittags trifft Reinhard Vith beim Sozialzentrum Haus Klosterreben ein. Etwa zehn Kilometer hat er da schon in den Beinen – mit dem Fahrrad, von Nofels nach Feldkirch. „Das gehört einfach dazu. Bewegung und frische Luft am Morgen geben einen klaren Kopf“, sagt er lächelnd. Auch Ursula, Reinhards Kollegin, wartet bereits bei der Essensausgabe. Doch bevor die Lieferwagen mit den frisch zubereiteten Menüs beladen werden, gibt es einen kurzen Austausch: Wer hat gestern nicht geöffnet? Wo gibt es etwas zu beachten? Wer braucht besondere Aufmerksamkeit? „Das sind nur die ersten zehn Minuten, die sind aber wichtig“, sagt Reinhard.

Dann geht plötzlich alles schnell. Die Menüs sind bereitgestellt und werden nach der Tourenliste sortiert, jede Box hat ihren Platz. Um Punkt zehn Uhr geht es los – Ursula unterhalb der Bahnlinie, Reinhard oberhalb.

Mit Herz und Sportlichkeit

Bis zu vierzig Haushalte beliefert Reinhard an einem Vormittag. Viele davon liegen im ersten oder gar dritten Stock, oft ohne Lift. Stiegen laufen gehört zum Alltag. „Sportskanone muss man keine sein“, sagt er, „aber man kann es sportlich nehmen und sich am Abend das Fitnessstudio sparen.“ Für Reinhard ist es ein willkommener Ausgleich und Teil der Arbeit. An der ersten Wohnungstür wartet bereits ein freundliches Gesicht: „Guten Tag, das Essen ist da. Wie geht’s denn heute? War die Tochter schon da? Haben Sie das Spiel gestern gesehen?“

„Es geht nicht nur ums Essen“, betont Reinhard, bereits wieder hinter dem Lenkrad. „Es geht um die Menschen.“ Manche Kund:innen freuen sich über ein kurzes Gespräch, andere hingegen wünschen sich eher ihre Ruhe. Beides wird respektiert. „Man spürt mit der Zeit, was jemand braucht.“ 

Liebe Bekanntschaften gewonnen

Seit 2022 beliefert Reinhard die Rankweiler:innen mit regionalem Essen aus der Küche des Sozialzentrums Haus Klosterreben – zu Beginn noch nebenberuflich, heute als Pensionist. „Ich bin sozusagen schon ein alter Hase“, schmunzelt er. Doch was von seinen Kund:innen zurückkommt, überrascht ihn heute noch: eine Süßigkeit, heimlich in die Tasche gesteckt; ein Regenschirm, wenn es draußen schüttet; etwas Selbstgemachtes zum Valentinstag; oder einfach ein ehrliches „Danke“.

Schärft den Blick fürs Wesentliche

Der Job konfrontiert einen bisweilen auch mit schwereren Themen: Einsamkeit, Krankheit und Abschied. „Das gehört dazu, nicht nur zu diesem Job, sondern eben auch zum Leben. Es relativiert aber auch vieles.“ Seit er bei „Essen auf Rädern“ arbeitet, habe sich sein Blick auf viele Dinge verändert – weg vom Materiellen, hin zum Menschlichen. „Am Ende des Tages zählt nicht, was wir besitzen, sondern was wir einander geben. Nähe und Geborgenheit kann man sich nicht erkaufen.“

Gerade deshalb könne er sich keine schönere Beschäftigung im Ruhestand vorstellen. „Ich kann Menschen helfen und bekomme dabei selbst sehr viel zurück: Bewegung, Begegnungen und das gute Gefühl, gebraucht zu werden. Der Job gibt meinem Alltag Struktur und Sinn – und zu Mittag ist die Arbeit im Grunde dann getan, immer noch den ganzen Tag Zeit für andere Dinge.“

Gesagt – und schon ist Reinhard wieder auf dem Weg zur nächsten Tür, mit mehr unter dem Arm als einer warmen Mahlzeit.

 

Falls auch Sie Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit mit Sinn haben, dann melden Sie sich jederzeit gerne bei Margit Kopf unter +43 5522 405 1406 oder essen@rankweil.at.


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