Ein Herz in Regenbogenfarben: Kindergerechte Trauerbegleitung

Sterben gehört zum Leben. Doch gerade Kinder werden in ihrer Trauer oft vergessen. Mit dem Projekt „Mein Trauerhund“ möchten die Rankweiler Kindergartenpädagogin und Trauerbegleiterin Cornelia Bechter sowie Illustratorin Judith Eiter-Abdouni Kindern helfen, ihre Gefühle in Verlustsituationen sichtbar zu machen und zu verstehen. Noch vor einigen Jahrzehnten wurde das Abschiednehmen eines Familienmitglieds für Kinder sichtbar gemacht – mit Aufbahrung zu Hause, gemeinschaftlichen Ritualen und sogar mit einem Fotografen. „Das hat sich heutzutage grundlegend geändert. Gestorben wird vielfach im Krankenhaus und über den Tod wird generell nicht gerne geredet – erst recht nicht mit Kindern. Nicht aus böser Absicht heraus, aber oft aus Angst, sie mit diesem Thema zu überfordern“, weiß Cornelia Bechter. Dabei sei es entscheidend, Kinder nicht auszuschließen, sondern sie behutsam in den Abschiedsprozess einzubeziehen „Die Erfahrung zeigt: Wenn Kinder aktiv in den Trauerprozess mit einbezogen werden, wirkt sich das positv auf den weiteren Trauerverlauf aus. Denn nicht gelebte Trauer kann krank machen. Wir dürfen Kindern durchaus zutrauen, sie mit dem Tod zu konfrontieren, sie sind stark genug dafür.“

Kinder trauern anders

Doch wie trauern Kinder und wie können wir sie gut dabei begleiten? Cornelia Bechter dazu: „Trauer ist ein schweres Thema – für Kinder wie für Erwachsene. Doch Kinder trauern anders. Sie springen von Emotion zu Emotion, weinen und lachen oft im Wechsel. Man spricht dabei auch vom ‚Trauerpfützen-Springen‘. Also rein in die Emotion und dann wieder raus. Für Erwachsene ist das oft nicht einfach zu verstehen. Dabei sind die Gefühlswechsel einfach eine Überlebensstrategie, um mit diesen starken Gefühlen zurecht zu kommen.“ Größere Kinder, so weiß Cornelia Bechter, können durchaus mit Fragen kommen, die sehr direkt sind – wie etwa: „Wie kann es sein, dass mein Opa unter der Erde ist, aber gleichzeitig auch im Himmel sein soll?“ Hier lohnt es sich, mit Kindern ins Gespräch zu gehen: „Man kann gemeinsam philosophieren – Kinder haben oft spannende Vorstellungen vom Leben nach dem Tod. Im Gespräch ist es auch empfehlenswert, manche Dinge ganz sachlich und ehrlich zu erklären“, rät sie. 

Gefühle sichtbar machen 

Beim Verdeutlichen der Gefühle – insbesondere bei kleineren Kindern – kann indessen das Kartenset „Mein Trauerhund“ hilfreich sein: Jede der zehn Karten zeigt eine Emotion in ausdrucksstarker Bildsprache. „Der Trauerhund“ ist dabei kein Symbol für Angst oder Schmerz, sondern ein treuer Begleiter durch die Zeit der Trauer“, verdeutlicht Cornelia Bechter. Er trägt ein Herz in Regenbogenfarben, als Symbol dafür, dass Trauer viele Facetten hat. Und auch er hat ebenso viele: Manchmal will er kuscheln, manchmal überfällt er einen beim Spielen. Mal macht er einen wütend, dann wieder traurig. Die Karten sollen Gespräche anregen – in Familien, Bildungseinrichtungen oder therapeutischen Kontexten. Auch ungeschulte Personen können damit arbeiten. „Manche Karten wurden sogar als Kondolenzkarten verschenkt – eine schöne Idee“, erzählt Bechter. Die Inspiration zum Trauerhund entstand aus ihrer langjähriger Beschäftigung mit den Themen Tod und Trauer. „Das hat mich einfach schon immer interessiert – auch wenn ich persönlich keinen besonderen Auslöser in meiner Trauergeschichte habe. Durch einen tragischen Todesfall im Dorf habe ich mich noch mehr für das Thema Trauer bei Kindern interessiert. 

Dabei habe ich erstmals von der Trauerbegleitung gehört und war fasziniert davon. Damals ist ein junger Familienvater gestorben und die Trauerbegleitung hat die Familie beim Abschiednehmen unterstützt – der Sarg wurde bemalt und weitere schöne Abschiedsrituale durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt habe ich beschlossen, mich zur Trauerbegleiterin ausbilden zu lassen.“ Eine besondere Ehre ist für die Pädagogin die Auszeichnung mit dem zweiten Platz beim „leb.endlich“-Wettbewerb der Palliativstation Hohenems: „Darüber freuen wir uns – also ich und meine Illustratorin Judith Eiter-Abdouni – sehr. Was mich aber auch besonders beeindruckt hat, war der Abend der Preisverleihung: so viele Menschen, die sich mit dem Thema Endlichkeit auseinandergesetzt haben. 

Verankerung in Bildungseinrichtungen
Cornelia Bechters Mission ist nun, das Thema auch in Bildungseinrichtungen zu verankern. Dazu führt sie Fortbildungen mit Pädagog:innen durch. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, mich für das Thema einzusetzen. Trauer ist auch in Bildungseinrichtungen allgegenwärtig – das muss nicht immer nur ein Verlust durch Tod sein. Das kann auch eine Trennung der Eltern sein, der Verlust der Heimat oder andere Situationen. Auch hier ist es wichtig, der Trauer Ausdruck zu verleihen.“ Cornelia Bechter kann sich vorstellen, das Thema generell im Kindergartenalltag zu behandeln: „Ich vergleiche das gerne mit dem Aufstieg auf einen Berg. Wenn ich mich damit nicht auseinandersetze, bin ich eventuell falsch gekleidet. Genauso ist es mit der Trauer: Wenn ich mich damit auseinandersetze, bin ich im Ernstfall besser dafür gerüstet. Das war eine unglaublich tolle Erfahrung.“ Für die Zukunft hat Cornelia Bechter weitere Projekte geplant – ihr Ziel: Das Thema Tod und Endlichkeit zu enttabuisieren und es zurück in die Familien zu bringen.

Zur Person: Cornelia Bechter ist Pädagogin im Kindergarten Rankweil Oberdorf und Gewinnerin des 2. Platzes beim „leb.endlich“- Wettbewerb der Palliativstation Hohenems.  Kontakt: cornelia.bechter@rankweil.at  

Kontaktstelle Trauer Trauerbegleitung und weitere Angebote Wichnergasse 22 6800 Feldkirch +43 5522 200 kontakt@caritas.at


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